Manche Buchtitel treffen so präzise, dass man sie gar nicht erst erklären muss. Dieser hier ist einer davon.
Raúl Aguayo-Krauthausen ist der bekannteste Inklusionsaktivist Deutschlands. Als Rollstuhlfahrer mit Glasknochenkrankheit kämpft er seit Jahrzehnten dafür, dass Menschen mit Behinderung nicht nur toleriert, sondern wirklich einbezogen werden – in Schulen, Arbeitswelt, Öffentlichkeit. Gemeinsam mit Martin Kulik hat er ein Buch geschrieben, das keine Lobhudelei ist, sondern eine Zumutung – im besten Sinne.
Das Buch stellt unbequeme Fragen: Warum scheitert Inklusion in Deutschland so oft? Woran liegt es wirklich – an mangelnden Ressourcen, oder an mangelndem Willen? Und wie tief sitzt unser eigener Ableismus, der blinde Fleck, der uns Behinderung als Problem statt als Eigenschaft sehen lässt?
Was das mit Größendiskriminierung zu tun hat?
Sehr viel. Denn der Mechanismus ist derselbe: Eine körperliche Eigenschaft – die Körpergröße – wird gesellschaftlich bewertet, eingeordnet, mit Bedeutung aufgeladen. Wer nicht ins Normmaß passt, bekommt das zu spüren: auf dem Arbeitsmarkt, in der Partnersuche, im Alltag. Und wenn man dagegen spricht, kommt prompt die Ausrede: „Stell dich nicht so an.“ Oder: „Das ist doch kein echtes Problem.“
Aguayo-Krauthausen macht deutlich: Inklusion scheitert nicht an Ressourcen. Sie scheitert an Haltung. An der Bereitschaft, die eigene Komfortzone zu verlassen und Verhältnisse zu ändern, die für manche Menschen längst normal sind – und für andere eine tägliche Hürde.
Das Buch ist kein akademischer Text, sondern klar, direkt, manchmal provokant. Genau das braucht es.
Empfehlung: Unbedingt lesen – und danach ehrlich fragen: Welche Ausreden mache ich selbst?