Es ist eine der unbemerktesten Alltagsdiskriminierungen – und sie trifft heute, beim Berlin-Marathon, wieder Zehntausende Menschen: das Dixi-Klo.
Wer heute an der Strecke steht oder selbst läuft, kennt die Situation. Lange Schlangen vor kleinen blauen Kabinen. Wer hineingeht, duckt sich. Wer sehr groß ist, duckt sich sehr.
Die Maße des Standard-Dixi-Klos
Ein handelsübliches mobiles Toilettenhäuschen – in Deutschland oft unter dem Markennamen „Dixi“ bekannt – hat folgende Standardmaße:
- Außenhöhe: ca. 220–230 cm
- Innenhöhe: ca. 195–205 cm
- Grundfläche innen: ca. 90 × 100 cm
Die Innenhöhe von knapp zwei Metern klingt zunächst großzügig. Sie ist es nicht. Deckenverkleidung, Belüftungsöffnungen, Beleuchtung und leichte Konstruktionsunebenheiten reduzieren die nutzbare Stehhöhe in der Praxis auf oft unter 190 cm. Wer 195 cm oder größer ist, steht gekrümmt – oder stößt mit dem Kopf an.
Normiert auf den Durchschnitt
Die Konstruktion mobiler Sanitäranlagen orientiert sich – wie so vieles – am statistischen Durchschnittsmenschen. Die durchschnittliche Körpergröße erwachsener Männer in Deutschland beträgt etwa 180 cm, bei Frauen ca. 166 cm. Für diesen Durchschnitt ist das Dixi-Klo ausreichend dimensioniert.
Für die rund 13 % der deutschen Männer, die 190 cm oder größer sind, wird es eng. Für Menschen über 195 cm ist ein würdevoller Aufenthalt kaum möglich.
Beim Marathon besonders spürbar
Gerade bei Großveranstaltungen wie dem Berlin-Marathon – wo heute rund 50.000 Menschen an den Start gehen – ist die Toilettenfrage keine Kleinigkeit. Großgewachsene Läuferinnen und Läufer müssen sich in den ohnehin beengten Kabinen verbiegen, Rucksäcke und Ausrüstung manövrieren, und das alles unter Zeitdruck vor dem Start.
Eine barrierefreie Toilette – höher, breiter, mit mehr Bewegungsfreiheit – steht in der Regel nur für Rollstuhlfahrer zur Verfügung. Für sehr große Menschen gibt es keine Sonderlösung. Sie werden schlicht nicht mitgedacht.
Eine übersehene Dimension der Barrierefreiheit
Barrierefreiheit wird in der öffentlichen Debatte fast ausschließlich mit Rollstühlen, Rollatoren und eingeschränkter Mobilität verknüpft. Dass auch Körpergröße – nach oben wie nach unten – zu strukturellen Ausschlüssen führen kann, wird kaum diskutiert.
Dabei ist das Prinzip dasselbe: Ein öffentlicher Raum, der für einen bestimmten Normkörper entworfen wird, schließt alle anderen aus. Beim Dixi-Klo zeigt sich das besonders deutlich – und besonders unbequem.
Die Lösung wäre einfach: eine Erweiterung der Standardmaße um 15–20 cm Innenhöhe. Die Kosten wären minimal. Der Effekt für große Menschen: erheblich.
Bis dahin: Kopf einziehen.