Die unsichtbare Verbindung
Diskriminierung ist kein soziales Problem, das neben der Wirtschaft existiert. Sie ist ein wirtschaftliches Problem. Wer klein ist, wer nicht in die Norm passt, wer als „anders“ markiert wird – der wird auf dem Arbeitsmarkt schlechter bezahlt, der wird seltener befördert, der wird ausgeschlossen. Die Ökonomin Isabell Weber hat gezeigt, dass Wirtschaftspolitik nie neutral ist. Sie ist immer auch eine Entscheidung darüber, wer zählt und wer nicht.
Isabell Weber: Die Ökonomin, die nachfragt
Isabell Weber ist eine der wenigen deutschsprachigen Ökonominnen, die sich öffentlich gegen den neoliberalen Konsens stellen. In ihrem Buch „How China Escaped Shock Therapy“ beschreibt sie, wie China den massiven Einschwung der westlichen Schocktherapie vermied – jene Politik, die in Russland in den 1990er-Jahren zum totalen Zusammenbruch führte. Weber zeigt: Wirtschaftliche Entscheidungen haben reale, menschliche Konsequenzen. Wer die Märkte „frei“ lässt, lässt auch Menschen fallen.
Aber Weber geht weiter. Ihre Arbeit an Preiskontrollen und alternativen Wirtschaftsmodellen stellt die zentrale Frage: Für wen ist die Wirtschaft da? Für die, die bereits mächtig sind? Oder für alle?
Die Körpergröße als ökonomisches Merkmal
Die Forschung ist eindeutig: Kleinere Menschen verdienen im Durchschnitt weniger. Die sogenannte „Height Premium“ zeigt, dass mit jedem Zentimeter Körpergröße das Einkommen steigt – nicht weil größere Menschen produktiver sind, sondern weil sie als „führend“, „kompetent“ und „autoritär“ wahrgenommen werden. Das ist keine biologische Wahrheit. Das ist ein soziales Konstrukt, das sich in Euro und Cent niederschlägt.
Isabell Weber würde das verstehen. Sie würde fragen: Wer profitiert davon, dass wir glauben, Größe gleich Kompetenz? Wer profitiert davon, dass bestimmte Körper als „falsch“ gelten und deshalb schlechter bezahlt werden?
Faschismus ist Diskriminierung – und Wirtschaft
Der Historiker Timothy Snyder hat es formuliert: Faschismus beginnt mit der Entmenschlichung. Aber diese Entmenschlichung ist nie nur rhetorisch. Sie hat immer eine ökonomische Komponente. Die Nazis enteigneten Juden, expropriierten sie, machten sie arbeitslos, bevor sie sie deportierten. Die apartheid-Südafrika schuf ein Wirtschaftssystem, das Schwarze Menschen systematisch ausbeutete. In den USA wurde die Rassentrennung durch Wirtschaftsgesetze gestützt.
Faschismus ist Diskriminierung, weil er bestimmte Menschen als weniger wert definiert. Aber er ist auch Wirtschaft, weil er diese Definition in materielle Ungleichheit übersetzt. Wer als minderwertig gilt, verdient weniger, besitzt weniger, hat weniger Macht.
Was bedeutet das für Heightism?
Größendiskriminierung mag im Vergleich zu Rassismus oder Antisemitismus wie ein „kleines“ Problem wirken. Aber sie folgt derselben Logik: Ein Körpermerkmal wird zum sozialen Stigma, und dieses Stigma wird ökonomisch bestraft. Kleinere Menschen haben schlechtere Chancen auf Führungspositionen. Sie werden in Verhandlungen als schwächer wahrgenommen. Sie werden als „unsicher“ oder „kindlich“ kategorisiert – Eigenschaften, die im Kapitalismus mit niedrigeren Gehältern bestraft werden.
Isabell Weber lehrt uns, dass Wirtschaft keine Naturwissenschaft ist. Sie ist eine politische Entscheidung. Und genauso wie wir Preiskontrollen für Lebensmittel fordern können, können wir auch Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt bekämpfen. Es ist keine Frage des Könnens. Es ist eine Frage des Wollens.
Fazit: Die Verbindung sehen
Wer gegen Diskriminierung kämpft, kämpft automatisch gegen ökonomische Ungerechtigkeit. Wer für eine gerechtere Wirtschaft eintritt, muss auch gegen Diskriminierung eintreten. Isabell Weber zeigt, dass es Alternativen gibt – zu Shock Therapy, zu neoliberaler Ausbeutung, zur Ideologie, die Menschen zu „Humankapital“ degradiert.
Heightism ist nicht nur ein Gefühl. Es ist ein ökonomisches Faktum. Und es ist Teil eines größeren Systems, das bestimmt, wer wertvoll ist und wer nicht. Das zu erkennen – das ist der erste Schritt, es zu ändern.
Hast du eigene Erfahrungen mit ökonomischer Diskriminierung gemacht? Schreib uns.