doc:resource – Wenn das System Ärzt:innen ausschließt (und was das mit Heightism zu tun hat)

Das unsichtbare Problem im Gesundheitswesen

Ein Krankenhaus ohne Ärzt:innen ist kein Krankenhaus. Und doch verschwinden sie – nicht aus Mangel an Berufung, sondern weil das System sie ausschließt. Nina Hector und Caroline Gewiss haben mit doc:resource eine Social Enterprise gegründet, die genau hier ansetzt: Wo Strukturen Menschen kaputt machen, müssen Strukturen geändert werden.

Was ist doc:resource?

doc:resource ist keine klassische Beratungsfirma. Sie ist eine soziale Innovation im Gesundheitswesen – gefördert durch den Female Accelerator der Universitätsklinik, EXIST Women 2024 (BMWK) und andere Programme. Hector und Gewiss bieten:

  • Keynotes für Führungskräfte und Kongresse
  • Workshops für Teams, HR und Kliniken
  • Einzelberatung für Ärzt:innen in Weiterbildung
  • Reverse Mentoring – junge Ärzt:innen beraten die Führungsetage

Ihr zentrales Werkzeug: das Pendelmodell. Es übersetzt Teilzeit, „Vereinbarkeitslücke“ und Kindkrank neu – nicht als Gnade, sondern als Systemlogik. Die These: Wer Expertise halten will, muss Arbeit neu denken.

Die DNA: Doppelrolle – Neu – Ausgerichtet

Die Abkürzung DNA steht bei doc:resource nicht für Desoxyribonukleinsäure, sondern für Doppelrolle, Neu, Ausgerichtet. Dahinter steckt die Erkenntnis: Ärzt:innen verschwinden nicht einfach. Im System fehlen Strukturen, die ihre Arbeit und Kompetenz tragen. Wer Kinder hat, wer krank ist, wer nicht 60 Stunden pro Woche arbeiten kann – der fällt durch ein Raster, das auf Vollzeit-Freiwilligkeit und Unverfügbarkeit basiert.

Und hier wird es interessant für Heightism.

Diskriminierung funktioniert immer gleich

doc:resource zeigt eindrücklich: Diskriminierung ist nie nur ein individuelles Problem. Sie ist ein Systemproblem. Ob es um Geschlecht, Elternschaft, Teilzeitwunsch oder – ja – Körpergröße geht: Das System ist für einen bestimmten Menschen gebaut. Jeder, der davon abweicht, wird bestraft.

  • Frauen mit Kindern? Weniger Karriereoptionen, trotz gleicher Qualifikation.
  • Ärzt:innen in Teilzeit? Werden als weniger engagiert wahrgenommen.
  • Kleinwüchsige Menschen? Werden als weniger kompetent, weniger führungsstark eingestuft.

Die Mechanismen sind identisch: Ein Körper oder Lebensentwurf passt nicht in die Norm – und die Norm antwortet mit Ausschluss.

Der Podcast „Sektion der Macht“

Besonders erwähnenswert ist der Podcast von doc:resource. Hier werden Machtstrukturen im Gesundheitswesen analysiert – niederschwellig, fundiert, unbequem. Die Parallele zu Heightism liegt auf der Hand: Wer die Sprache der Macht nicht spricht, wer nicht den „richtigen“ Eindruck macht, wer physisch oder sozial nicht ins Bild passt – der verliert. Nicht wegen mangelnder Qualifikation. Sondern wegen mangelnder Sichtbarkeit.

Was Heightism von doc:resource lernen kann

doc:resource beweist: Systemwandel ist möglich. Wenn Kliniken lernen, dass Teilzeit keine Schwäche ist. Wenn Führungsetagen einsehen, dass Reverse Mentoring keine Bedrohung, sondern eine Chance ist. Dann können wir auch lernen, dass Körpergröße keine Kompetenz definiert.

Die Methoden von Hector und Gewiss sind übertragbar:

  • Einzelberatung – Klarheit über eigene Rechte und Optionen schaffen
  • Workshops – Unbewusste Vorurteile in Teams sichtbar machen
  • Reverse Mentoring – Betroffene an den Tisch holen, statt über sie zu sprechen
  • Keynotes – Die Debatte öffentlich führen

Fazit: Andere Kämpfe, gleiche Logik

Die Gründerinnen von doc:resource kämpfen für Ärzt:innen, die das System ausschließt. Wir kämpfen für Menschen, die aufgrund ihrer Körpergröße ausgeschlossen werden. Die Logik des Ausschlusses ist dieselbe: Normen bestimmen, wer wertvoll ist – und wer nicht.

Wenn wir also Heightism bekämpfen, tun wir nichts anderes als doc:resource. Wir fordern Strukturen, die Menschen tragen. Nicht Strukturen, die Menschen vernichten.

Kennt ihr doc:resource oder ähnliche Initiativen? Schreibt uns eure Erfahrungen.