Kino aus einer anderen Zeit: Das DEFA 70 in Babelsberg

Neulich war ich im DEFA 70 in Babelsberg – einem Kino, das noch aus DDR-Zeiten stammt. Und was mich wirklich überrascht hat: die Sitzabstände.

In einer Zeit, in der Kinos immer mehr Reihen auf immer weniger Fläche quetschen, wirkt der DEFA-70-Saal geradezu fürstlich. Zwischen den Reihen ist echte Luft. Man sitzt nicht auf dem Schoß des Vordermanns. Man kann die Beine ausstrecken. Man kommt rein und raus, ohne eine ganze Reihe zum Aufstehen zu zwingen.

Das ist kein Zufall – das war Planung. Die DDR hatte beim Bau öffentlicher Einrichtungen offenbar Maßstäbe, die sich an tatsächlichen menschlichen Körpern orientierten. Nicht am Minimalraum, den ein Mensch theoretisch einnehmen kann, wenn er sich fest genug zusammenkauert.

Für großgewachsene Menschen ist so ein Kinobesuch heute oft eine Geduldsprobe – enge Reihen, Knie gegen die Rückenlehne, kein Platz zum Atmen. Im DEFA 70 war das anders. Und das hat sich gut angefühlt.

Manchmal lohnt sich der Blick zurück.

2 Gedanken zu „Kino aus einer anderen Zeit: Das DEFA 70 in Babelsberg“

  1. Interessant. Wenn ich drüber nachdenke, dann kann das System dahinter schon aus dem „Nicht-Gewinnmaximierungsprinzip“ resultieren.

    „Früher“ waren Kinos (siehe bspw. Alhambra-Palast in Berlin) zwar auch schon an Einnahmen gebunden. Und doch gab es Dinge wie dies: „Ab 1981 wurde die Sitzkapazität von 950 im Rang und Parkett auf 500 verringert um die anfallenden Gema Gebühren pro Sitzplatz zu minimieren.“ – entnommen aus: https://www.kinokompendium.de/alhambra_grossraumkino_berlin.htm
    Möglicherweise waren Inhaber-Geführte Theater und Lichtspielhäuser „trotz“ der nötigen Einnahmen auch eine persönliche Note.
    Ich erinnere mich an ein Kino in der Friedrichstraße Nähe der Ruine des Kulturhaus Tacheles bzw. Ecke Oranienburger Straße und eines in Neukölln, wo man in Sessel gesessen hat und immer für 2-4 Besucher ein Tisch zur Verfügung stand. Da es nur einen Projektor gab, wurde mind. eine Zwangspause eingelegt, die durchaus 15min dauerte. Da seinerzeit (90er Jahre) es noch keinen Nichtraucherschutz gab, wurde zumindest in dem Kino in der Friedrichstraße (Berlin-Mitte) auch während des Films geraucht. Gegessen sowieso…

    Auch in Nordfriesland war ich in Kinos mit Tischen und viel Raum zwischen den Besuchern. Das waren alles kleine Familien-Betriebe… (90er Jahre)

    Interessant wäre, wenn man zu den noch heute existierenden Orten wie „Zoo-Palast“ oder „Marmor-Palast“ die Entwicklungen gerade zur Bestuhlung ermitteln kann. Ebenso zur Stätten wie dem Friedrichstadt-Palast oder der Halle am ICC…

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